Trainer wird gefeiert – und heftig kritisiert

Trainer wird gefeiert – und heftig kritisiert

Kritiker geben ihm die Schuld am Höhlendrama. Betroffene Eltern feiern ihn als Helden. Das weiss 20 Minuten über den Trainer der Fussball-Kids.

Warum ging Ekapol Chanthawong mit den Jugendlichen so tief in die Höhle, obwohl am Eingang Warnschilder angebracht sind? Das fragen sich zurzeit viele User in den sozialen Medien und erheben gleichzeitig teils heftige Vorwürfe gegen den Trainer der Buben. Er hätte es besser wissen müssen, so die Kritiker.

Laut thailändischen Medienberichten sehen aber viele Menschen vor Ort den 25-Jährigen eher als Helden. Sie loben ihn als mentale Stütze der in der Höhle festsitzenden Kinder. Dank seiner Hilfe hätten die Buben das Martyrium im Dunkeln bisher überhaupt überlebt, heisst es.

Laut den Rettungskräften ist sein Gesundheitszustand in der gesamten Gruppe mit am schlechtesten. Der Trainer sei stark geschwächt und habe sein gesamtes Essen seinen Schützlingen überlassen, um diese zu retten. Er habe die Jungen auch angeleitet, zu meditieren, um sie mental zu stärken.

«Wenn er nicht mit ihnen gegangen wäre – was wäre dann aus meinem Kind geworden?», äusserte sich eine der betroffenen Mütter gegenüber einem lokalen TV-Sender. Und weiter: «Wenn er wieder rauskommt, werden wir sein Herz heilen müssen. Mein lieber Ek, ich würde dir nie die Schuld geben für das, was passiert ist.» 

 

Assistent des Cheftrainers

Ekapol Chanthawong ist der Assistent des eigentlichen Trainers. Sportlich verantwortlich für das Wild-Boars-Team ist der 37-jährige Nopparat Khanthavong. Da dieser am Tag des Ausflugs des Club-Nachwuchses verhindert war, sollte sein Hilfstrainer mit den Jungs zu einem Fussballfeld am Fuss der Doi-Nang-Non-Berge nahe der Grenze zu Burma radeln.

«Halte dich mit dem Velo immer hinter der Gruppe, so dass du alle im Blick hast. Und nimm zur Sicherheit ein paar der älteren Jungs mit», will Cheftrainer Khanthavong ihm mit auf den Weg gegeben haben. Das teilte der 37-Jährige der «Washington Post» mit.

 

Waisenkind und Mönch 

Es gibt derzeit unterschiedliche Angaben dazu, ob Chanthawong bereits aus der Höhle gerettet wurde. Zu seinem Leben werden jedoch viele Details bekannt: Chanthawong habe bereits im Alter von zehn Jahren seine Eltern und seinen kleinen Bruder verloren, berichten Freunde des 25-Jährigen. Verwandte hätten das Waisenkind den Mönchen übergeben. Später habe er das Kloster aber wieder verlassen müssen, um sich um seine kranke Grossmutter zu kümmern.

Neben seiner Trainertätigkeit habe er auch in der Provinz Chiang Mai im Mae-Sai-Kloster gearbeitet. «Er liebte die Kinder mehr als sich selbst», heisst es von einem Anwohner und Kaffeeverkäufer im Kloster-Komplex. Er sei eine verantwortungsvolle Person gewesen, die sich gut um seine Schützlinge gekümmert habe.

Chanthawong soll unter anderem auch ein erfolgreiches Belohnungssystem mit aufgebaut haben, das Anreize setzte, um die schulischen Leistungen der oft aus armen Familien stammenden Kinder zu verbessern. Für gute Noten bekamen die Jugendlichen neue Shorts, Schuhe oder andere Fussballausrüstung.

 

 

Quelle: 20 Minuten