So erlebten Schweizer vor Ort den Anschlag

So erlebten Schweizer vor Ort den Anschlag

Nach dem Anschlag mit 49 Toten sind Neuseeländer geschockt. Ein Schweizer vor Ort sagt: «Das ist der dunkelste Tag, den das Land je erlebt hat.»

Sascha war auf dem Weg zu seiner Arbeit als Landschaftsgärtner bei der Canterbury University in Christchurch, als ein Attentäter nur fünf Minuten entfernt mindestens 49 Menschen in zwei Moscheen erschoss. «Übers Handy erfuhr ich vom Anschlag», sagt der Schweizer zu 20 Minuten. Wenig später sei er aufgefordert worden, das Gelände der Universität zu verlassen. 

«Auf dem Weg zurück sah ich überall bewaffnete Polizisten», sagt er. Kinder seien in den Schulen eingeschlossen worden. «Viele Neuseeländer sagen, das sei der dunkelste Tag, den das Land je erlebt hat», so der 21-Jährige. «Die Menschen sind aufgewühlt.» Das Land gelte als «sicherer Hafen», niemand habe damit gerechnet, dass so etwas passieren könne.

 

«Ich fühle mich wie gelähmt»

Zu kämpfen hat Sascha mit dem Video, das der Attentäter von seinem Anschlag machte. «Ich habe das Video im Internet gesehen. Ich konnte es nicht stoppen. Diese Bilder waren sehr verstörend. Man weiss, dass das gerade in kürzester Distanz passiert ist», sagt Sascha.

«Ich fühle mich wie gelähmt», sagt eine in Christchurch lebende Frau zu 20 Minuten. «Ich liebe diese Stadt. Was heute passiert ist, hat hier keinen Platz.» Eine andere Neuseeländerin sagt: «Ich bin traurig, wütend, verängstigt und schockiert. Der Täter soll für immer weggesperrt werden.» 

 

«Wenn du Muslim bist, begleite ich dich» 

Nach dem Anschlag erfährt das Land eine Welle der Solidarität. «Wenn du ein Muslim bist, dich unsicher fühlst, nicht alleine an der Bushaltestelle warten, einkaufen oder nach Hause gehen möchtest, begleite ich dich», heisst es in einem Post, der auf Facebook vielfach geteilt wird.

In den sozialen Medien machen Trauerbekundungen die Runde. Ein Meme zeigt einen weinenden Kiwi-Vogel – eine Ikone des Landes. Die Solidarität mit der muslimischen Gemeinschaft ist gross. Ein Imam schreibt auf Facebook: «Ich bin überwältigt von der Unterstützung, der Liebe und der Solidarität, die uns alle in Neuseeland jetzt entgegenbringen. Das sind die wahren Werte, für die wir Neuseeländer stehen. Wir müssen alle zusammen jeder Form von Extremismus entgegentreten.» 

 

Politiker trauern 

Politiker aus aller Welt trauern um die Opfer. Der deutsche Aussenminister Heiko Maas twitterte: «Der grausame Terroranschlag trifft friedlich betende Muslime. Wenn Menschen allein wegen ihrer Religion ermordet werden, ist das ein Angriff auf uns alle. Wir stehen zusammen an der Seite der Opfer. Stay strong, New Zealand!». 

Angela Merkel liess über ihren Pressesprecher verlauten: «Tief erschüttert verfolge ich die Nachrichten aus Christchurch. Ich trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden. Wir stehen Seite an Seite gegen solchen Terror.»

 

«Wir beten für euch»

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz schrieb, er sei «schockiert und traurig» über den Anschlag. Er kondoliere den Verletzten, den Familien der Opfer und den Menschen von Neuseeland. Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Rats, schreibt von «erschütternden Nachrichten»: «Der brutale Anschlag wird die Toleranz und die Art, für die Neuseeland berühmt ist, niemals unterkriegen.»

Der US-Botschafter in Neuseeland, Scott Brown, schrieb, der Anschlag habe ihm «das Herz gebrochen». «Wir stehen mit unseren Kiwi-Freunden. Unsere Gebete sind bei euch.»

 

 

Quelle: 20 Minuten